Ein Nachmittag an der Hugo-Kükelhaus-Schule in Wiehl

Hören, riechen, schmecken, sehen, tasten - für uns sind diese Sinneswahrnehmungen selbstverständlich. Wir geben darauf keine große Acht, obwohl unsere fünf Sinne ständig im Einsatz und im Alltag für uns nicht wegzudenken sind.

Wie sehr sich der Alltag von Menschen, die nicht so selbstverständlich „wahrnehmen“ können, von unserem Alltag unterscheidet, konnte die Stufe 12 des evangelischen Gymnasiums Meinerzhagen in der rheinischen Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung, der Hugo-Kükelhaus-Schule, in Wiehl erfahren. Als Auftakt für das diakonische Praktikum, das traditionell am Ende des 12. Schuljahres stattfindet, ermöglichten uns die Lehrer der Hugo-Kükelhaus-Schule nach Unterrichtsschluss einen Einblick in ihren Schulalltag.

  

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Eine kurze Einführung verschaffte uns Überblick über Schüler, Unterrichtsformen und den Aufbau der Schule, vor allen Dingen verdeutlichte sie uns aber welch individueller und aufwändiger Förderung ein Schüler mit Behinderung bedarf und wie sehr sich der Unterricht von unserem unterscheidet. Denn wie unterrichtet bzw. kommuniziert man mit Schülern überhaupt, die nicht sehen, sprechen, hören können? Dass das schwierig, aber nicht unmöglich ist, durften wir an verschiedenen Stationen ausprobieren.

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Dabei waren jedoch nicht die üblichen Mittel der Kommunikation gefragt, sondern ganz ohne Sprache sollten einfache Bedürfnisse zum Ausdruck kommen. Aber wie teilt man mit, dass man Pizza mit Salami und Champignons essen will, aber im Moment nichts mehr trinken mag, wenn man nur die Hände benutzen darf? Wie versteht dein Gegenüber dich, wenn du auf Fragen nur über eine Augenbewegung mit ’Ja’ und ’Nein’ antworten kannst? Für uns, die sich eigentlich immer und überall schnell verständigen können, war diese Art von Gespräch eine wirkliche Herausforderung. Genauso neu war für viele die Erfahrung eine Sinnesstörung einmal „auszuprobieren“. Mit einem verkehrt herum gehaltenen Fernglas, sodass alles ganz weit weg schien und man das Gefühl für Abstände vollkommen verlor, mussten wir einen Parcours durchlaufen – ohne einen Partner neben sich wäre wohl der eine über die eigenen Beine gestolpert.

 

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 Als nächstes stand die Bewegung im Rollstuhl auf dem Programm. Anfangs noch von Hemmungen etwas zurückgehalten, sausten wir beim Rollibasketball nach kurzer Zeit durch die Sporthalle - und das nicht ohne den einen oder anderen Zusammenstoß, sodass wir doch feststellen mussten, dass einiges dazugehört, den Ball in den Korb zu kriegen und dabei selbst unverletzt zu bleiben. Danach sollten wir erfahren, welche Hürde ein Rollstuhlfahrer in seinem Alltag überwinden muss, an die wir keine Gedanken verschwenden. Wie schafft man es mit einem Rollstuhl eine Treppe zu bewältigen? Nachdem uns die richtige Technik gezeigt wurde, gelang es uns den Rollstuhl die Treppe hinauf und hinunter zu transportieren. Dabei saß einer von uns im Rollstuhl, was zur Folge hatte einmal selbst zu erleben wie hilflos man sich vorkommt, wenn so viel Aufwand und Hilfe notwendig ist, nur um eine einzige Treppe hinaufzukommen. Überrascht von der Erkenntnis, mit welchen Anstrengungen Behinderte in unserem Alltag konfrontiert werden und wie wenig wir normalerweise davon wahrnehmen, lernten wir an der nächsten Station das „Kippeln“. Beim „Kippeln“ müssen die Vorderräder des Rollstuhls hochgehen, was durch den richtigen Sitz, Gewichtsverlagerung und einigem Balancegefühl gelingt bzw. gelingen sollte, denn selbst das klappte nicht auf Anhieb, um z.B. eine Kante oder einen Bordstein hochzukommen.

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Der Besuch endete mit einem Dankeschön an die Lehrer und Mitarbeiter der Hugo-Kükelhaus-Schule, die uns mit einer sehr freundlichen und offenen Art diesen erlebnisreichen Nachmittag ermöglichten. Denn sicher ist, dass alle Beteiligten etwas erlebt haben und viele jetzt mit neuen Erwartungen das diakonische Praktikum im Mai und Juni beginnen werden.

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