Ganz großes Theater - Meinerzhagen in Potsdam

28.09.17 18:52

„Was für ein Theater!“- dieser Satz trifft in jeglicher Hinsicht das, was 19 Schülerinnen und Schüler des Evangelisches Gymnasium Meinerzhagen für die Woche vom 17.-23.09. 2017 über die Fahrt der Theater AG nach Potsdam sagen könnten.

 

Im Zuge des Schultheaterfestivals der Länder 2017 war auch dieses Jahr wieder und erneut das Evangelische Gymnasium eingeladen bzw. nominiert worden, zusammen mit sämtlichen Vertretern anderer Bundesländer Deutschlands Theater zu machen, Theater zu spielen und spielen zu lassen. Die diesjährige Location war das Hans-Otto-Theater in Potsdam, eine unfassbar schöne und unglaubliche Kulisse. Jeden Tag gab es (ein manchmal zu) volles Programm, das von diversen Workshops bis hin zu den Aufführungen der einzelnen Bundesländer reichte, eben eine Menge Theater. Dabei wurden sowohl bekannte Stücke und Motive auf die Bühne gebracht als auch Eigenproduktionen und Tanzchoreographien. Die Stücke regten zum Nachdenken an, besonders die Aufführungen zweier Förderschulen gingen dabei zu Herzen. 

 

Dank Herrn Thomas Erdmanns großartiger Theaterarbeit am EGM gelang es dem kleinen Ort im Sauerland auch dieses Jahr wieder, als Vertreter für Nordrhein-Westfalen dabei zu sein. Das „Schultheater der Länder“ (SDL) ist europaweit eines der größten Festivals im Bereich des Theaters in der Schule. Es ist ein Arbeitstreffen für und mit Schultheatergruppen aus ganz Deutschland, das im jährlichen Wechsel in einem anderen Bundesland stattfindet und sich in jedem Jahr einem anderen Themenschwerpunkt widmet. Begleitet wird das SDL stets von einem auf das jeweilige Thema bezogenen Rahmenprogramm mit Aufführungsgesprächen, Werkstätten und Festivalberichten. Ziel des SDL ist die differenzierte Weiterentwicklung des Faches Theater in Theorie und Praxis sowie dessen Verankerung in allen allgemeinbildenden Schulen der Bundesrepublik. Damit unterstreicht das SDL nicht nur die Bedeutung des Theaters für die Kulturelle Bildung, sondern setzt auch entscheidende Impulse zur Stärkung der Position und Qualität der ästhetisch-kreativen Fächer im Allgemeinen. 

 

Darüber hinaus ging es aber vor allem auch darum, sich zu vernetzen, andere Menschen zu treffen, die ebenso leidenschaftlich Theater spielen und als ein Medium begreifen, das Schülerinnen und Schüler ganz andere, eigene, neue Welten erschließt und ihnen die Chance bietet, sich auch selber ganz neu auszuprobieren und kennenzulernen. Und auszuprobieren galt es auch auf diesem Festival viel, manchmal schon fast zu viel, so gut geplant war das Programm, so voll die einzelnen Tage, bis wir Mittwoch auch selber spielen durften. In dem Stück von Thomas Erdmann „Ich bin nicht die Wahrheit“, das die Jury mit einem Dokumentarfilm verglich und das bewusst anlässlich des Lutherreformationsjubiläums von seiner Theater AG entwickelt und konzipiert wurde, ging es anhand selbstverfasster Texte der Schülerinnen und Schüler etwa um Fragen wie: 

 

Sind Luthers Ideen auch im Jahr des Reformationsjubiläums noch aktuell? Welchen Stellenwert hat der Glaube in der heutigen Gesellschaft? Was bedeutet Glauben für jeden Einzelnen? Unterschiedliche Charaktere begeben sich darin auf der Suche nach einem Halt, einer Wahrheit, einem Glauben in einer Gesellschaft, in der sie sich verloren fühlen. Die Zuschauenden lernen ihre Überzeugungen, Ängste und Zweifel kennen: „Gibt es eine absolute Wahrheit oder hat jeder Mensch seine eigene? Ist mein Glaube wirklich mein Glaube oder die Interpretation anderer? Kann ich mich frei entscheiden? Was bedeutet eigentlich Freiheit?“ 

 

Scheinbar konnte sich so mancher in den Motiven und Fragen wiederfinden, was am Ende die standing ovations und die Rückmeldungen bewiesen. Ein paar dieser Rückmeldungen im O-Ton: „Gänsehaut!“, „Ich bin emotional tief getroffen!“, „Schönste Liebeserklärung meines Lebens!“. Und auch wir melden rück: wir kommen gerne, gerne wieder.

 

Denn diese Tage waren nicht nur im Blick auf die tolle Unterkunft in der Jugendherberge Wannsee, von der wir leider wenig hatten, die vielen interessanten Menschen, den kulturellen und intellektuellen Austausch sowie die theatertechnischen Fragestellungen und Blickrichtungen bereichernd, sie waren auch eine Möglichkeit, den Schülern und Lehrern „Danke“ zu sagen für das, was sie dort oft im Stillen und hinter der Bühne leisten. Nämlich ganz großes Theater!!

 

Frau Wnuk durfte die Theater AG mit begleiten- und würde sofort wieder mitfahren. Denn nicht nur das Ambiente, die Location sowie das Wetter waren bezaubernd. Besonders die Gruppe begeisterte mit ihrem Zusammenhalt, den Improvisationen auf der Ukulele, Konzerten in der U Bahn,  ihren Klatschspielen, die am Ende wie ein Flashmob den Trend setzten, dass man überall Menschen sah, die einen „an der Klatsche hatten“ sowie mit sich selber. In Erinnerung bleibt eine schlafarme, lustige, verrückte, dichte, volle, unglaubliche, anstrengende, schlafarme, wunderschöne und unvergessliche Woche. Ganz großes Theater.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text und Fotos: Frau Wnuk

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