Vivien Ruthmann (Jg.12) erzählt von ihrem Auslandsaufenthalt in Frankreich:

 

6 Monate in Frankreich – es hat sich gelohnt

Bekannterweise verbringen viele Jugendliche während der Schulzeit 3 Monate, ein halbes Jahr oder sogar ein ganzes Jahr im Ausland, um eine neue Kultur zu entdecken, eine neue Sprache besser zu lernen um diese Kenntnisse eventuell in der Schule anwenden zu können. Da habe ich natürlich nicht „nein“ gesagt.

Mit meinen Eltern fahre ich schon mein ganzes Leben lang jährlich in unser Nachbarland Frankreich und dadurch habe ich es natürlich auch zu schätzen gelernt und wollte schon immer unbedingt mehrere Monate dort verbringen, damit ich irgendwann mal die französische Sprache besser beherrschen kann als mein Vater. Und das habe ich innerhalb dieser 6 Monaten geschafft, mit Erfolg.

 

Am 30. August 2010 ging es los: meine Mama und ich haben uns auf den Weg Richtung Montigny-le-Bretonneux gemacht. Da es nur 6 Stunden mit dem Auto sind, war es nicht nötig den Flieger oder den Zug zunehmen. Auf diese Weise konnte ich sogar mehrere Paar Schuhe und viele Erinnerungen von meiner Heimat und meinen Liebsten mitnehmen. Von meiner Gastfamilie wusste ich bis dahin leider noch nicht so viel, da ich alles privat organisiert habe und ich dadurch noch nicht sehr viel Kontakt mit den Franzosen hatte. Als ich ankam, hat mich eine ungefähr 70-Jahre alte Frau empfangen. Am Anfang hatte ich mir gedacht dass ich mit Sicherheit gut mit ihr klar kommen werde, und habe meine Mutti deshalb wieder nach Hause geschickt. Doch leider kam alles anders als geplant: Ich habe mich ganz und gar nicht dort wohl gefühlt. Deshalb bin ich bei der älteren Dame nur 12 Tage geblieben, da mich dann glücklicherweise eine Freundin in Versailles aufgenommen hat, solange ich keine andere Gastfamilie gefunden hatte. In Versailles war es wunderschön, ich habe in der Nähe vom Schloss gewohnt und die Familie von der Freundin habe ich sofort ins Herz geschlossen. Der einzige Nachteil war, dass die Schule ungefähr eine halbe Stunde mit dem Bus entfernt war, inklusive einmal umsteigen. Dennoch habe ich das gut ausgehalten. Während der 3 Wochen habe ich Freudigerweise eine neue Familie gefunden, oder besser gesagt, sie hat mich gefunden. Ein Mädchen aus meiner Klasse, Virginie, hatte mitbekommen, dass ich noch ein neues Zuhause suche, und ihre Eltern und sie waren sofort einverstanden, dass ich zu ihr konnte, bis zum Ende meiner Zeit in Frankreich. Und somit blieb ich vom 3.Oktober bis zum 12. Februar bei Familie Daumen. Sie haben mich sehr lieb empfangen, wir waren sogar an Weihnachten zusammen in dem Musical „Mamma Mia“ in Paris und ich habe im Chateau Breteuil das Leben in der Zeit von Napoleon kennen gelernt, wo wir ein ganzes Wochenende verbracht haben.

 

 

 

Nun komme ich zu der Schule:

In Frankreich hat die Schule ein komplett anderes System als in Deutschland. Ich war auf dem Lycée Descartes in Montigny in der Terminale LS. Auf dem Lycée gibt es 3 verschiedene Jahrgänge: Die Séconde, die Prémière und die Terminale. Und diese sind dann noch in verschiedene Themenbereich eingeteilt. In der Terminale war ich zum Beispiel in der literarischen Klasse, aber es gab auch eine naturwissenschaftliche und viele andere. Außerdem ist die Terminale die Abschlussklasse, das heißt, sie machen am Ende des Jahres ihr Abitur, das Baccalauréat.

Des Weiteren, ist der Tagesablauf auch ein Unterschied zu meinen gewöhnlichen Zeiten. In Deutschland habe ich morgens Unterricht, und bin froh, wenn ich mittags endlich nach Hause kann. Doch dort haben die Schüler nicht nur morgens, sogar auch abends, teilweise bis 18 Uhr Unterricht. Mittags gab es dann Essen in der Kantine. Das war vorerst sehr gewöhnungsbedürftig. Mittwoch nachmittags hatte man aber glücklicherweise nur bis spätestens 13 Uhr Unterricht.

Während der Stunden hatte ich am Anfang große Schwierigkeiten, da ich kaum ein Wort verstanden habe. Doch mit der Zeit ging es, und ich habe auch viele Freunde gefunden, mit denen ich viel in meiner freien Zeit unternommen habe. Doch dazu gleich mehr. Im Deutschunterricht war ich eine große Hilfe, und die Schüler haben meine Anwesenheit geschätzt und davon profitiert, so meine Lehrerin. Selbst in Englisch bin ich nicht gut mitgekommen, da die Franzosen einen komischen Dialekt haben, wenn sie versuchen englisch zu sprechen.

Im Großen und Ganzen waren die Lehrer aber alle sehr nett mit mir, und haben mich alle respektiert, auch wenn ich am Nachmittag zwischendrin während des Unterrichts ein kleines Schläfchen gehalten habe.

 

Meine Wochenenden:

Am Wochenende bin ich meistens oder eigentlich fast immer, wie man sich es wahrscheinlich auch schon denken kann, mit dem Zug nach Paris gefahren. Paris war nach einer knappen halben Stunde gut mit dem RER zu erreichen, und dieses Angebot habe ich selbstverständlich auch ausgenutzt. Natürlich habe ich mich in Paris auf den ersten Blick verliebt (seitdem glaube ich an Liebe auf den ersten Blick ;-)).

In der französischen Hauptstadt gab es so viel zu entdecken und selbst bis heute habe ich noch nicht alles gesehen, was ich sehen wollte.

Ich bin sogar selbst auf den Eifelturm gestiegen, ohne den Aufzug zunehmen, und brauchte, nachdem ich oben angekommen war, erstmal eine Erholung. Außerdem war ich in der Notre Dame, im Sacre coeur, ein paar mal in den Galeries Lafayette und auch im Chatelet, Forum des Halles – ein Traum jedes Mädchens zum Shoppen.

Doch mein Highlight war, dass ich zum Ersten und hoffe nicht zum Letzten Mal im Disney Land Paris war. Davon habe ich schon immer geträumt, vor Allem als ich jedes Jahr daran vorbei gefahren bin, um den Süden Frankreichs zu erreichen.

Auch abends war ich ein paar Mal in Paris um die Bars und Clubs der Stadt unsicher zu machen. Meine Freunde haben mich des Öfteren auf Parties ihrer Freunde mitgenommen, wofür ich ihnen sehr dankbar war.

Einfach jedes Mal, wann ich die Modemetropole Paris besucht habe, habe ich etwas neues entdeckt in was ich mich verliebt habe. Und so wird es auch immer sein! J

 

Es war – nein es ist! – einfach ein unvergessliches halbes Jahr, welches ich im Vorort von Paris verbracht habe. Es hat sich zu hundert Prozent gelohnt und würde diese Reise immer wieder antreten, schon allein wegen all den wertvollen Momenten dich ich erlebt habe. Weiterhin halte ich den Kontakt zu meinen Freunden, besuche sie regelmäßig oder zeige ihnen meine Heimat im Sauerland. Es sind viele wunderschöne Erinnerungen an Frankreich und niemand kann mir das nehmen, deshalb noch schnell ein passendes Zitat zum Abschied:

 

„Erinnerungen, die man vergisst, hat man im Grunde nie erlebt!“